Historische Badekultur und ein Hauch von Orient
Säulen und Bögen im maurischen Stil, farbenprächtige Ornamente in Rot, Blau und Gold – eine einzigartige Attraktion europäischer Badekultur schlummerte im Verborgenen. Im Juli 2004 wurde das beliebte Leipziger Stadtbad wegen Baumängeln geschlossen. Seit Mai 2008 öffnen die gemeinnützige Förderstiftung Leipziger Stadtbad und Treffpunkt Leipzig wieder die Pforten der Badeanstalt für faszinierende Rundgänge. Seitdem bestaunen zahlreiche Besucher die wundervolle Architektur der Jahrhundertwende.
Die Gäste erwartet neben der Architektur auch die Geschichte der Badekultur vom ausgehenden Mittelalter bis zur Jahrhundertwende. Amüsante Geschichten und Anekdoten erwecken die Zeit der Bader und Barbiere sowie manche frivole Begebenheit in den Saunen und Ruheräumen wieder zum Leben. Nicht selten bereichern Leipziger Gäste den Rundgang durch Episoden aus ihren „Badetagen“.
Auch 2010 können die Leipziger und Gäste an jedem 1.Sonntag im Monat (außer Oster-sonntag, 04.04.) ab 11.00 Uhr den dreiflügeligen, denkmalgeschützten Bau besichtigen. Der Rundgang dauert ca. 1 Stunde und kostet 9 € p. P.. Außerdem sind auf Anfrage individuelle Gruppenführungen bei Treffpunkt Leipzig buchbar. Von jedem Ticket stellt Treffpunkt Leipzig übrigens der Förderstiftung 3,- € für die Sanie-rung des Bades zur Verfügung.
Diese hat im Februar 2010 mit der dringend erforderlichen Erneuerung des Daches be-gonnen. Doch nicht nur damit eröffnen sich dem Besucher neue Ausblicke. Am Sonntag, 02. Mai, entführt Treffpunkt Leipzig seine Gäste erstmals in die bisher uner-schlossenen Kellerbereiche. Immer wieder wurden die Gästeführer gefragt, wie es wohl ausgesehen haben mag im berühmten „Hundebad“, welches später zu einem Kinderthe-rapiebecken umgebaut wurde. Nun wird das Geheimnis gelüftet. Die Besucher werden die Treppen hinab in ein Kellerreich mit morbidem Charme geführt.
Hier ist die Zeit vor Jahrzehnten stehen geblieben. Man kann nur ahnen, wie damals die monumentale Technik in Schwung gesetzt wurde, um in der darüber liegenden Schwimmhalle den Badebetrieb zu ermöglichen. Geradezu mystisch wird es auf dem Weg zu den Räumen, in denen 1916 die Undosa-Wellenanlage errichtet wurde. Der Rundgang führt direkt am Beckenbereich der Herrenschwimmhalle zu der stillgelegten pneumatisch betriebenen Wellenanlage. In den angrenzenden Räumen sind noch immer die Badeinbauten zu entdecken, die an die Behandlungen mit dem legendären Pelose-Heilschlamm erinnern.
Bei seiner Eröffnung 1916 galt das Leipziger Stadtbad als das modernste und zugleich schönste Hallenbad Europas. Keine andere Badeanstalt konnte mit so vielen verschiede-nen Attraktionen aufwarten: Neben der modernen Wellenanlage gehörten dazu die Dampf- und Schwitzbäder, ein eleganter „Ruheraum 1. Klasse“ im maurisch-islamischen Stil, aber auch das ausgefallene Hundebad.
Mag der Glanz früher Jahre auch verblichen sein, der Zauber der Architektur und die ausgeklügelte Technik begeistern noch heute. Ab sofort werden die Besucher zu Zeugen, wie das Stadtbad aus seinem „Dornröschenschlaf“ geweckt wird. Jeder Besuch trägt mit dazu bei, es „wach zu küssen“. Und die Neugier – nicht nur der Leipziger – ist berechtigt, denn schon die Baustelle enthüllt viele Geheimnisse.
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- aktualisiert am 07.09.2010
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